Erinnerungen vom letzten Müller

von Theo Wiss, 9. Generation, geb. 30.01.1929

In der Burrweiler Mühle war wieder ein Stammhalter geboren. Das traditionelle Müllerhandwerk konnte somit fortgeführt werden, und zwar in der neunten Generation.

Die Mühle war zu dieser Zeit ein Vollerwerbsbetrieb mit Getreidemühle, Sägemühle, Weinbau und Landwirtschaft. Von nahegelegenen Dörfern hatten hier viele Leute einen festen Arbeitsplatz.

Bei unserer Mühle handelte es sich um eine Kundenmühle, d. h. man mußte sein Getreide zur Mühle bringen, um Mahlprodukte zu erhalten. In der schlechten Zeit 1943-1948 war es nun so, dass auch Leute in die Mühle kamen, die kein Getreide zum Mahlen mitbrachten, aber trotzdem Mehl haben wollten.

In der Mühle war immer genug für andere vorhanden. Durch den landwirtschaftlichen Betrieb war es uns möglich notleidenden Menschen Arbeit und Brot zu geben.

Das Agrarland Deutschland verwandelte sich in ein Industrieland. Die Folge war die Abnahme des Kleinbauerntums: Die Menschen gingen lieber in die Fabrik bzw. zu Dienstleistungsbetrieben um Geld zu verdienen, als daheim Land zu bewirtschaften und Vieh zu halten. Die Lebensgrundlage der Mühle ging verloren.

Deshalb beschloß ich durch den Besuch der Fachschule in der Landes-Lehr- und Forschungsanstalt Neustadt mir Kenntnisse im Weinbau anzueignen. Der Weg zum Weinbau als einzige Erwerbsquelle war vorgeschrieben. 

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